Flyer #grundsteinhausmifgash PDF

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Kurzbeschreibung

200 Jahre nach der Einweihung der Synagoge erforscht die bildende Künstlerin Nicole Peters mit dem partizipativen Kunstprojekt „#grundsteinhausmifgash“, ob die Bürgerinnen und Bürger  der Stadt Kleve bereit sind, sich für ein Haus der Begegnung auf dem Platz der zerstörten Synagoge, der benachbarten jüdischen Schule und des Terrassenrestaurants „Zur Schwanenburg“ einzusetzen.

In einem symbolischen „Grundstein für Haus Mifgash“ werden die Werte festgehalten, auf denen nach Meinung der Menschen in Kleve ein solches Haus begründet sein sollte. „Wie wollen wir zusammen leben – Wie sieht Dein Grundstein für HausMifgash aus?“ Das ist die Leitfrage für das partizipative Kunstprojekt, das die Künstlerin für den Verein Haus Mifgash durchführt. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium des Inneren im Rahmen des bundesweiten Programms #2021JLID Jüdisches Leben in Deutschland.

Die Ausgangslage

Am Ort der 1938 zerstörten Synagoge, der benachbarten jüdischen Schule und des Aussichtsrestaurants Zur Schwanenburg soll das Haus der Begegnung – Haus Mifgash entstehen. Die Grundsteinlegung ist für den 10.9.2021 vorgesehen, im 200. Jahr nach der Einweihung der Klever Synagoge. Das Haus ist nicht geplant als Vereinslokal für den 2013 gegründeten Verein „Haus der Begegnung _ BehtHaMifgash“.  Sondern wir möchten vielmehr, dass mitten im historischen Zentrum unserer Stadt Kleve, ein Häuserensemble aus 3 Bauten mit Anziehungskraft und Ausstrahlung für alle Menschen in der Stadt und der gesamten Region entsteht. Wie alle Städte und heute mehr denn je braucht Kleve ein Zentrum mit Herzenswärme, an dem Menschen aus allen Kulturen und Religionen, aus allen Stadtvierteln und sozialen Schichten, Alte und Junge, Frauen und Männer zu allen Zeiten willkommen sind.

Solange der Platz der zerstörten Synagoge nur ein leerer Platz ist, der einmal jährlich von 200 Bürgern für eine Gedenkveranstaltung genutzt wird, kann dies nicht den ursprünglichen Zweck des jüdischen Gebäudeensembles als lebendigen gesellschaftlichen Ort für Spiritualität, Wissensvermittlung und Gastfreundschaft wiederspiegeln. Das Projekt Grundsteinlegung macht bewusst, dass es diesen ursprünglich von Klever Juden initiierten Ort wieder geben könnte. Angestrebt wird nicht mehr und nicht weniger als ein soziales Zentrum in der Mitte der Stadt und für alle BürgerInnen  der Stadt. Somit soll auch schon die (zunäüchst nur symbolische) Grundsteinlegung im Kreis einer größeren Veranstaltung für viele Menschen erfolgen.

Kunstprojekt #grundsteinhausmifgash

Das Kunstprojekt „#grundsteinhausmifgash“ erweitert die Grundsteinlegung in die Bürgerschaft Kleves. Die bildende Künstlerin Nicole Peters lädt an mindestens 7 Tagen Menschen in offenen Workshops ein, sich über geistige und soziale Grundsteine für HausMifgash Gedanken zu machen und diese konkret zu gestalten.

„Wie wollen wir zusammen leben? Wie sieht Dein Grundstein für Haus Mifgash aus?“ ist die Forschungsfrage an die Teilnehmer. Der künstlerische Rahmen sieht vor, dass jedeR einzelne Teilnehmende die eigene Antwort in einen nummerierten und personalisierten lederharten kleine Tonziegel ritzt, ein begleitendes Grundsteinformular ausfüllt und anschließend mit seinem Grundsteinchen fotografiert wird. Zusätzlich wird nach Möglichkeit ein Foto von den Teilnehmenden mit deren Handy gemacht und sie werden gebeten, die Fotos unter #grundsteinhausmifgash auf facebook und/oder instagram zu teilen. Die gebrannten Ziegel werden den Teilnehmenden vor der eigentlichen feierlichen Grundsteinlegung wieder zugeführt. Am Tag der Grundsteinlegung, am Abend des 10. September 2021 vor Sonnenuntergang, kommen die Menschen am Ort der ehemaligen jüdischen Synagoge zusammen und zelebrieren gemeinsam die Grundsteinlegung. JedeR einzelne tritt ans Mikro und liest den Text des eigenen Steins vor, bevor  dieser in den Grundstein gelegt wird. Anschließend wird der Grundstein verschlossen und verbaut. Die Aktion wird gefilmt, der Film anschließend aufbereitet und auf youtube veröffentlicht.

Die Grundsteinlegung am 10.9.2021 ist so terminiert, dass sie kurz vor dem Jom Kippur-Fest 2021 stattfindet. Dem jüdischen Glauben nach kann man sich nur mit Gott versöhnen, wenn man sich zuvor mit seinen Mitmenschen versöhnt hat. Der Versöhnungsgedanke der Grundsteinlegung bezieht sich auf das aktuelle Zusammenleben von Menschen und maßt sich nicht an, eine Versöhnung in Bezug auf die Shoa vollziehen zu können.

Die ca. 15 x 6,8 cm x 1 cm großen Keramiksteine bestehen aus einer Klinkermasse von Cellina Klinker und werden auch dort gebrannt. Keramiktafeln sind eine uralte Form, Informationen festzuhalten. Ton ist ein Material, welches sich durch äußere Wärme in Keramik verwandelt. Ein auf Youtube veröffentlichtes Videodokument ist ein zeitgenössische Form, Informationen möglichst vielen Menschen ortsunabhängig zugänglich zu machen. Das Kunstprojekt wählt bewusst die Verschränkung von dieser alten und dieser zeitgenössischen Form. Die Fotodokumentation könnte ein Bestandteil des neuen Gebäudes für Erinnerung werden.

Für  einen offenen Dialog

Ca. 700 Menschen, die in Kleve und Umgebung wohnen, sind eingeladen, sich ungeachtet ihrer Nationalität, Religion, Geschlecht, Alter, gesellschaftlichen Standes, Gesundheitszustandes, Besitztum eine Position zu bilden und zu vertreten zu der Frage, was ihrer Meinung nach die Basis ist, auf der sich Menschen begegnen sollten. Jede und jeder von uns ist Teil der städtischen Gesellschaft ist und gestaltet diese mit.

Im weiter gefassten Sinne fragt das Projekt die Teilnehmer nach den Grundwerten, auf denen unsere Gesellschaft aufgebaut sein soll. In einer Zeit, in der rassistische und antisemitische Tendenzen stärker werden, ist diese Frage dringend notwendig. Dabei macht das Projekt bildhaft deutlich, wer unsere Gesellschaft ist: die Summe der Mitmachenden ist ein konkreter Ausschnitt unserer Gesellschaft, der ganz konkret mit Name, Handschrift und Foto personifiziert wird. Es bleibt nicht im Abstrakten. Nicht  „der Staat, die Gesellschaft“,  „die Politiker geben die Gesetze vor“ oder „der Religionsführer“ hat diesen Verhaltenskodex festgeschrieben  sondern lebendige Menschen, alle die einzelne Teilnehmenden  werden nach ihren Ideen gefragt, für die sie dann auch öffentlich und dauerhaft Zeugnis ablegen. Demokratie ist schließlich kein fest zementierter Zustand, sondern muss ständig gepflegt werden, wollen wir sie denn erhalten. Friedliches Miteinander der Menschen, eine offene, freundliche, vielfältige Gesellschaft ist die Basis für unsere demokratische Grundordnung und ein Gegengewicht zu aufkommender Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.

Das Temporäre Grundsteinlegungs-Atelier werden Nicole Peters und Freiwillige von Haus Mifgash  nach dem bisherigen Zeitplan an folgenden Orten errichten:

Termine:

16.6. Josef Beuys Gesamtschule Hoffmannallee – 8.15 Aufbau, 9.00 PK, 9.30 erste Schülergruppe, 11.05 2. Schülergruppe, 12.17 3. Schülergruppe (2x 6. Klasse, 1 x 5.Klasse; Schulgarten (durch Forum durchlaufen)

17.6. Josef Beuys Gesamtschule Hoffmannallee 8.15 – 12.15 Klassen: 6, 5, 9

18.6. Josef Beuys Gesamtschule Hoffmannallee 8.15 – 13.30  Klassen 9,9,6

21.6. Karl Kisters Realschule. 8.50 Aufbau; 9.45 (3/4. Stunde) 6 b; 5./6. Stunde 5d

28.6., 17 bis 21 Uhr, Saray Garten, Ernst-Goldschmidt-Str. 26, für Mitglieder des Vereins Haus Mifgash und weitere interessierte Menschen – öffentlich zugänglich

30.6. Konrad Adenauer Gymnasium 9.50 Aufbau; ab 10.40 Projekt mit 7a, danach 7b; eventuell nach 12.25 noch 7c

1.7.  Freiherr von Stein Schule morgens ab 8 Uhr 4 9te Klassen

3.7. (Option): Stand auf dem Klever Wochenmarkt an der Linde