Prominenter Chinakenner im Forum Internationale Politik: China revisited – Shanghais Sprung nach vorn 1985 – 2020

Mit Prof. Wolfgang Hennig ist einer der besten Chinakenner zu Gast im nächsten Forum Internationale Politik. Am Mittwoch, 5.2., um 18 Uhr im VHS-Haus Kleve dokumentiert und kommentiert er anhand eigener Fotoaufnahmen „Shanghais Sprung nach vorne zwischen 1985 und 2020.“
Und so begann es: „Als ich 1985 zur frühen Abenddämmerung in Shanghai eintraf, wurde ich mit dem großen Dienstfahrzeug der Akademie abgeholt. Wir fuhren durch menschenleere Straßen, auf denen gelegentlich ein Radfahrer auftauchte – ohne Beleuchtung, so wie auch unser Auto die Lampen nur bei Sichtung anderer Verkehrsteilnehmer einschaltete. Das Gästehaus der Akademie erinnerte an Hotels, wie ich sie in Moskau erlebt hatte. Seit der Kulturrevolution hatte sich nicht viel verändert: Alle Menschen in blauer „Mao“-Kleidung, an Nahrungsmitteln in den Geschäften nur das Nötigste. Die Studenten in unseren Kursen waren sehr wissbegierig – so lange, bis die beaufsichtigenden Institutsangehörigen fanden, dass ich nun müde sei. Ich verließ Shanghai am 3. Juni 1989 plangemäß und erfuhr erst am kommenden Morgen in Frankfurt, was in Beijing geschehen war. Die Anfänge der Studentenproteste auf dem Tiananmen Anfang Mai und die vielen Demonstrationen in Shanghai hatte ich selbst miterlebt: keine Zwischenfälle, alles verlief ruhig und geordnet – ein unvergesslicher Eindruck!“

Nach 1989kehrte er immer wieder nach Shanghai zurück und erlebte einen historischen Wandel wie im Zeitraffer. Ab 2008 begann er die Umweltverhältnisse unerträglich zu finden und war nur noch selten in der Stadt. Bis er dann 2019 erneut nach China flog und schockiert feststellte: „Plötzlich scheint es, als seien uns die Verhältnisse um Jahrzehnte voraus: überall Elektroroller, Elektrobusse, Elektrotankstellen, breite, hervorragend ausgeschilderte Straßen, in der ganzen Stadt U-Bahnen, die U-Bahnhöfe z.T. in drei Stockwerken, alles blitzsauber, saubere Züge alle 5 Minuten! Der Himmel sah wieder aus wie in den 90er Jahren. Nach dem Verlassen Shanghais kam es mir vor, als hätte ich die Veränderung dieser Stadt in 34 Jahren nur geträumt!“

Prof. Dr. Wolfgang Hennig ist emeritierter Humangenetiker. Als Forscher und akademischer Lehrer hat er in Nijmegen, Mainz, Quito und immer wieder in Shanghai gearbeitet. An der VHS hat in unregelmäßiger Folge aus China berichtet. In seiner Bildreportage beleuchtet er eindrucksvoll den rapiden Wandel in der Metropole Shanghai. In der Diskussion kann die Deutung der chinesischen Geschichte vertieft werden. Vor allem wird die Frage interessant sein, was wir in Europa von China lernen können.  

Zum Forum Internationale Politik laden Hochschule Rhein-Waal/Fakultät Gesellschaft und Ökonomie, Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V. und VHS Kleve gemeinsam ein. Der Vortrag ist auf Deutsch, die Diskussion kann auf Deutsch und Englisch geführt werden. Der Eintritt ist frei.

Für ein friedliches Miteinander

Der Verein „Haus der Begegnung – Beth HaMifgash e.V.“ will einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Miteinander im Kleverland leisten.

Unser Weg ist zugleich das Ziel: gegenseitiger Respekt durch Begegnung.

Daran arbeiten wir auf vielfältige Weise: durch zahlreiche multikulturelle Veranstaltungen, durch interreligiöse Dialoge, durch Integrationshilfe für Flüchtlinge und mit vielen weiteren Aktivitäten.

In nicht allzu weiter Ferne wollen wir ein HAUS bauen. Und zwar an der Reitbahn in Kleve, dort wo früher eine Synagoge und eine jüdische Schule standen. Das hebräische Wort für Begegnung, „Mifgash“, soll daran erinnern, dass Diskriminierung der Nährboden für Verfolgung und Vernichtung war, die zum Verschwinden der jüdischen Gemeinschaft aus Kleve führte.

In unmittelbarer Nähe zur Schwanenburg, wo die Blicke über die Rheinebene schweifen können, entsteht dann:

ein Haus der Erinnerung an die reiche Geschichte des Judentums aus Kleve und Umgebung und an dessen Untergang;

ein Haus der Begegnung – 
ein Ort des Kennenlernens von Menschen, Kulturen und Religionen, die heute in der europäischen Region Klever Land leben;

ein Haus der Wachsamkeit und der Aufklärung – ein Ort, in dem Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Nationalismus in ihren aktuellen Ausprägungen analysiert und öffentlicher Kritik unterzogen werden;

ein Haus der Gastlichkeit – ein „Gasthaus“ im ursprünglichen Wortsinn, in dem BürgerInnen und Gäste miteinander essen und trinken, sich austauschen, unterhalten, informieren, bilden, Musik hören, tanzen und diskutieren.